Nicht nur die Anreise nach Jersey wurde für die Anleger zur Strapaz.
Der Verkauf der Meinl European Land (MEL) an internationale Investoren ist am Mittwochnachmittag in der Hauptversammlung auf der Kanalinsel Jersey besiegelt worden. Die Beschlüsse kamen ohne Einsatz der "Partly Paid Shares" zustande, wurde der APA mitgeteilt. Sobald der Wechsel in der Haupteigentümerschaft formal vollzogen ist, firmiert die MEL unter "Atrium European Real Estate".
Neue Hauptaktionäre werden die israelische Gruppe Gazit Globe und ein Fonds der Citibank. MEL ist in Jersey registriert und notiert mit Zertifikaten an der Wiener Börse.
Kurs gefallen Dass die HV Stunden andauerte, lag an umfangreichen Berichten über die Transaktion und auch an kritischen Anlegerfragen. Kritische Anlegervertreter hatten schon im Vorfeld Proteste angekündigt. Die HV war von Beginn an von Anfechtungsklagsdrohungen überschattet.
Der Kurs der in Wien börsenotierten Zertifikate der MEL fiel Mittwochnachmittag unter fünf Euro. Gegen 15.30 Uhr notierte das Papier mit 4,96 Euro - das war ein Rückgang um 10,79 Prozent zum Vortag.
"Stimmung im Keller" "Die Stimmung ist komplett im Keller", sagte eine an Ort und Stelle anwesende Vertreterin von Kleinanlegern am Nachmittag zur APA. Zuerst durften die Zertifikateinhaber gar keine mündlichen Fragen stellen.
Nach umfangreichen Protesten gegen die Verfassung ausschließlich schriftlicher Fragen und juristischer Ad-hoc-Beratung wurde dann schließlich die Erlaubnis erteilt, auch mündlich Fragen zu stellen. Mit den Antworten waren etliche Kleinanleger allerdings nicht zufrieden. "Spärlich", lautete ein Kommentar.
Anleger forderten verschiebung Als am Montag die Finanzmarktaufsicht Jersey (Jersey Financial Services Commission) bekanntgab, eine formelle Untersuchung wegen möglicher Gesetzesverstöße beim Aktienrückkauf durch MEL gestartet zu haben, hing kurz eine Vertagung des Deals in der Luft.
Kritische Anleger hatten verlangt, die Entscheidung über den Verkauf bis zum Abschluss der Aufsichtsprüfungen auf Jersey zu verschieben. Die MEL hat den Behörden aber Kooperationsbereitschaft angekündigt, um die Prüfung zu einem raschen und zufriedenstellenden Ergebnis zu bringen, Gesetzesverstöße wurden erwartungsgemäß dementiert.
Geduldprobe für Aktionäre Die HV-Teilnehmer wurden wiederholt auf Geduldsproben gestellt. Am Dienstag verhinderte dichter Nebel stundenlang den Anflug auf den Airport von Jersey, die Gäste aus Österreich saßen in London fest. Mittwochvormittag stellten angebliche Server-Probleme die Nerven von BlackBerry-Besitzern vor Ort auf die Probe.
Gazit-Chef Chaim Katzman hielt vor den Anlegern eine kurze Ansprache. Weil aber das Closing noch aussteht, konnte er nicht im Detail auf die Pläne mit der "neuen" MEL unter seinem Einfluss eingehen, hieß es zur APA. Applaudiert wurde angeblich nicht. |