Die Ergebnisse
Die Ergebnisse vorweg: Bei MAI in Jersey hat der „Rebellenputsch“ geklappt. Damit ist es Streubesitz-Aktionären (in diesem Fall: Zertifikatsbesitzern) einer österreichischen Aktiengesellschaft erstmals gelungen, den gesamten Vorstand hinaus zu werfen.
Kreative Stimmenzählung
Bei MIP hat sich die Meinl-Gruppe mit der von MIP-Chef Hans Haider vorgeschlagenen partiellen Loslösung von Meinl vorerst durchgesetzt. Allerdings wird die Hauptversammlung mit Sicherheit angefochten, weil der nach Meinung vieler Kleinaktionäre völlig überforderte Vorsitzende Haider einige fragwürdige Aktionen zuließ. So wurde etwa ein Abstimmungsergebnis nachträglich „umgedreht“, indem nach (!) der Verkündung des Ergebnisses die Stimmen eines Großinvestors, der während der Abstimmung offenbar nicht im Saal war, einfach noch dazu gezählt wurden.
Der Reihe nach: Am Vormittag war für die Gruppe Meinl/Grasser/Haider die Welt noch in Ordnung. Ein vom MIP-Vorstand eingebrachter Vorschlag (siehe unten stehender Bericht) wurde von mehr als 53 Prozent der Stimmen angenommen. Ein Antrag der „Rebellen“ zur Abwahl des MIP-Vorstands am frühen Nachmittag abgeschmettert.
Dann passierte das Missgeschick: Ein portugiesischer Großinvestor, der von Meinl-Leuten mit einem großzügigen Angebot für sein Zertifikatspaket am Montag angeblich „umgedreht“ worden war, verließ bei einer Abstimmung den Raum – was prompt zur Abwahl des MIP-Vorstandsmitlieds Michael Treichl – ein Bruder des Erste Bank-Chefs, der in London die Investmentfirma Audley Capital betreibt – führte. Die Abwahl Treichls hätte auch das Ergebnis vom Vormittag ungültig gemacht.
Die Sitzung gesprengt
MIP-Chef Hans Haider half sich mit einem Kniff, der der Hauptversammlung nun eine Anfechtung beschert: Er verkündete zuerst zwar die Abwahl Treichls, sagte danach aber, der portugiesische Investor sei einem „Missverständnis“ aufgesessen – und zählte dessen Stimmen einfach nachträglich dazu. Womit Treichl wieder gewählt war.
Der war freilich zuvor schon ins Schussfeld der Kleinanleger geraten: Am Vormittag machten Gerüchte die Runde, Treichl beziehungsweise dessen Audley Capital seien massiv in „Stimmenkäufe“ verwickelt. Konkret: Sie hätten Großinvestoren angeboten, deren Zertifikatspakete (Börsenwert: 6,52 Euro) um acht Euro das Stück abzukaufen, wenn sie im Sinne des MIP-Managements stimmten.
Treichl wollte sich der HV nicht stellen
Aufklären konnte Treichl die Angelegenheit nicht: Obwohl auf dem Podium sein Namensschild prangte, zog es das MIP-Boardmitglied sicherheitshalber vor, sich nicht der Hauptversammlung zu stellen. Am späten Nachmittag war die chaotische Hauptversammlung, die dem pensionierten Ex-Verbundchef Haider bereits völlig entglitten war, unterbrochen. Sie endete erst gegen 21.30 Uhr. Durch die angedrohten Anfechtungsklagen hatte das Ergebnis vorerst aber ohnehin wenig Relevanz.
Anders sieht es bei der MAI aus: Die präsentiert bereits am Dienstag ihren neuen Vorstand und ihre Pläne.("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2008)

