„Eine Tragödie für den Finanzplatz“

Meinls Aufenthalt im Gefängnis ist Wasser auf die Mühlen der ­Aktionärs-Rebellen von MAI und MIP. Grassers Ausstieg kommt für Board-Chef Vilsmeier „überraschend“.

Wolfgang Vilsmeier, Board-Chef der früheren Meinl-Gesellschaften Airports International sowie International Power und bisher erfolgreichster Gegenspieler des Systems Meinl, ortet neuerlich Aufwind. Die Kurzzeit-Verhaftung des Bankers sei eine Bestätigung für das Vorgehen der Aktionärs-Rebellen. „Das Thema Provisionsschinderei findet sich ja auch bei MAI und MIP wieder", sagt Vilsmeier.
Die Aktionen der vergangenen Tage haben „das ­Verfallsdatum des Julius Meinl einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht". Schaden nimmt aber nicht nur die einst ehrenwerte Familie. Der Fall Meinl „ist eine Tragödie für den Finanzmarkt, ein Skandal, der direkt auf Österreich abfärbt".


Grasser pfeift auf MIP


Rebelleninvestor Vilsmeier ist mit dem System Meinl noch über den Managementvertrag der Meinl Power Management (MPM) für den Energiefonds Power International verbunden. Dass Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser über Nacht aus der MPM, an der er ein Drittel der Anteile hält, aussteigt, kommt für Vilsmeier überraschend. „Auf dem Papier ist Grasser immerhin noch unser Manager. Es ist mir bisher nicht gelungen, ihn zu erreichen. Ich weiß nicht, wo sich Grasser aufhält." Zur Erinnerung: Allein für fünf Monate Arbeit im Jahr 2007 kassierte die MPM von der damals noch unter MIP firmierenden Gesellschaft mehr als drei Millionen € Provision. Unklar ist, wie viel Grassers Anteil wert ist. Von den einst erhofften 10,6 Millionen € kann nicht mehr die Rede sein, da International Power demnächst aufgelöst wird.
Alle anderen Verträge zwischen der Meinl Bank und den beiden Gesellschaften sind gekündigt, dazu zählen Market Maker-Agreements, der ehemalige MAI-Managmentvertrag und die Lizenzverträge zur Nutzung des Namens Meinl. Allerdings toben diesbezüglich mehrere Rechtsstreitigkeiten.
Vilsmeier: „Für uns geht es mittlerweile um Schaden­ersatzansprüche von fast 275 Millionen €." 245 Millionen entfallen auf den Flughafenfonds, der Rest geht aufs Konto des Energiefonds.
Jahreszahlen für 2008 - wenn auch teilweise ungeprüft - will Vilsmeier spätestens bei den außerordentlichen Hauptversammlungen am 21. April (Power) und 22. April (Airports) präsentieren.


Gutachten kommt


In der Causa Meinl Bank/MEL selbst soll das Gutachten des Sachverständigen Thomas Havranek „in einigen Wochen fertig sein", sagt Gerhard Jarosch, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

 

Wirtschaftsblatt, 7.4.2009

Datum: 07.04.2009 Autor: Wirtschaftsblatt

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