Der Prozessfinanzierer AdvoFin verschärft die Gangart gegen Julius Meinl. Beim Bezirks-gericht Hartberg wird heute die Sicherstellung von Meinls Landgut beantragt.
Rund 9000 mutmaßliche geschädigte Anleger der ehemaligen Immobilien-Holding Meinl European Land (MEL), die vom Prozessfinanzierer AdvoFin um Franz Kallinger vertreten werden, erhöhen den Druck auf Julius Meinl V.
Nach ihrem Antrag auf zivilrechtliche Sicherstellung der 100-Millionen-€-Kaution mittels einstweiliger Verfügung (das WirtschaftsBlatt berichtete exklusiv darüber) wird jetzt die rechtliche Gangart verschärft.
AdvoFin-Anwalt Ulrich Salburg wird heute, Donnerstag, beim Bezirksgericht Hartberg eine Anleger-Klage gegen Meinl einbringen. Die Vorwürfe sind umfangreich: Rechtswidriger Kauf eigener Aktien und Kursmanipulation, Irreführung hinsichtlich der Verwendung der veranlagten Gelder sowie Irreführung hinsichtlich der Rendite aus den Mieteinnahmen der Immobilien.
Auch die Ausgabe der höchst umstrittenen Partly Paid Shares als mutmaßliche "Takeover Defense" werden erneut gegen Meinl ins Feld geführt.
Wie das WirtschaftsBlatt bereits berichtete, werden die Vorwürfe seitens der Meinl-Gruppe sowie von Julius Meinl grundlegend bestritten. Zugleich beantragt Salburg "die Erlassung einer einstweiligen Verfügung": Zur Sicherung von Geldforderungen (der MEL-Anleger) soll das Gericht Meinl verbieten, sein steirisches Landgut Lehenshofen in der Gemeinde Rabenwald bei Pöllau "zu veräußeren oder zu belasten".
Allein Meinls Adresse Rabenwald 38 hat einen Liegenschaftsumfang von 57 Hektar.
Laut der "Kleinen Zeitung" dürfte die gesamte Liegenschaft, auf der unter anderem Fasane für die Jagd gezüchtet werden sollen und der Reiterei gefrönt wird, aber mindestens doppelt so groß sein.
"Die Klage geht gegen Julius Meinl persönlich, und der hat verschiedene Wohnadressen in Österreich", sagt AdvoFin-Chef Franz Kallinger zum WirtschaftsBlatt. "Die Sicherstellung wird beantragt, um hier für die Geschädigten wegen etwaiger Schadenersatzforderungen auf Vermögen zugreifen zu können."
"Das Gut liegt im Gerichtsbezirk Hartberg und dürfte einen großen Vermögenswert darstellen", fügt Anwalt Salburg hinzu. "Er hält sich unseres Wissens derzeit auf Gut Lehenshofen auf." In dem Antrag führt Salburg an, dass auf Meinl Schadenersatzforderungen in Höhe von zwei Milliarden € zukommen werden "und diese bei Weitem auch dessen finanzielle Möglichkeiten übersteigen werden".
Vorwürfe bestritten
"Wenn eine Klage direkt gegen Julius Meinl eingebracht wird, erleidet diese das Schicksal aller Zivilverfahren, dass diese bis zur Beendung des Strafverfahrens unterbrochen werden", kontert Meinl-Verteidiger Herbert Eichenseder: "Solche Zivilverfahren führen zu keinem Ziel."
Eichenseder legt großen Wert auf die Feststellung, dass sein Mandant Julius Meinl mit den Ermittlungsbehörden kooperiert. Eichenseder: "Noch mehr als bisher." Zugleich ist der Strafverteidiger zuversichtlich, dass das Verfahren am Ende des Tages positiv für seinen Mandanten Julius Meinl V. ausgehen wird.
Wirtschaftsblatt, 9.4.2009